Wie geht es unseren UnternehmerInnen?

Die ungewisse Zeit der Pandemie trifft uns UnternehmerInnen mehrfach und verlangt uns so einiges ab. Nicht nur die eigenen Unsicherheiten in Bezug auf die Gesundheit, die finanzielle Lage sowie den Erhalt der Firma, sondern es kommt auch noch die Sorge über die MitarbeiterInnen hinzu.

Portrait Anita Höller

Anita Höller

Bundesvorstandsmitglied

26.3.2021

Zwei Frauen vor Schriftzug
© JW

Schon in meinem Wirtschaftspsychologie Studium wurde mir bewusst, dass wir auch auf die psychologische Gesundheit achten müssen. Betreffend die Angestellten, aber natürlich auch in Hinblick auf uns selbst. Gerade in der Krise, wo wir alle in neue Lebenssituationen geschlittert sind sowie mit Ungewissheiten leben müssen, sind wir noch stärker belastet und müssen damit umgehen lernen.

Mir persönlich war es immer wichtig, meine Befürchtungen zu kommunizieren, mich nicht zu verschließen, sondern auch andere in Gespräche über die Situation mit einzubeziehen. Gemeinsam Lösungsvorschläge zu erarbeiten ist ein wesentlicher Teil, um sich gegenseitig zu motivieren, als auch Ängste zu nehmen. Dennoch kann man sich mit ruhigem Gewissen auch Zeit für sich selbst nehmen und etwas Abstand gewinnen. Gleichzeitig gehört es meiner Meinung nach zur Pflicht einer Führungskraft, die Kommunikation zu den MitarbeiterInnen zu halten. Als Ansprechpartner zu fungieren und zu zeigen, dass sie sich an jemanden wenden können. Die Aufgabe einer Führungskraft ist auch proaktiv auf seine Angestellten zuzugehen und Gespräche zu führen, um Lösungen zu diskutieren und vor allem um Mut zu machen. 

Um das diesbezügliche Stimmungsbild der österreichischen Unternehmerschaft abzufragen, habe ich mich mit der äußerst sympathischen Bernadette Frech und ihrem herzlichen Team von Instahelp getroffen. Instahelp ist eine Online Plattform, auf der man unkompliziert und rasch psychologische Hilfe in Anspruch nehmen kann und ist bekannt aus der 2 Minuten 2 Millionen Show, bei der das Unternehmen mehrere Investoren für sich gewinnen konnte.

In unserem Gespräch konnten wir den wichtigsten Fragen zur psychischen Gesundheit während der Pandemie auf den Grund gehen.

Wie ist deine/eure Erfahrung darüber, wie es Führungskräften während Corona geht?

Die Pandemie ist für alle Menschen eine Herausforderung. Krankheit ist evolutionär gesehen für alle Menschen eine massive Bedrohung – dazu kommen Sorgen um Angehörige, wirtschaftliche, finanzielle Sorgen usw. Ergo: Belastungen sind bei MitarbeiterInnen und Führungskräften gestiegen, aber die Herausforderungen unterscheiden sich natürlich. Viele Führungskräfte sehen sich als diejenigen, die jetzt für die MitarbeiterInnen stark sein müssen, die ihre gesamte Energie in das Unternehmen stecken und dabei wird vor allem die eigene (psychische) auf der Strecke liegen gelassen. Wenn die Kommunikation im Unternehmen nicht transparent ist (Mit welchen Herausforderungen sind wir konfrontiert? An welchen Lösungen arbeiten wir gerade?), sehen sich MitarbeiterInnen hingegen in einer ohnmächtigen Situation mit fehlender Sicherheit.

Wie gehen sie mit der Doppelbelastung – sich selbst bzw. der Verantwortung den MitarbeiterInnen gegenüber – um?

Viele Führungskräfte haben sich entsprechend weitergebildet und sich ein umfangreiches Wissen zur Führung auf Distanz angeeignet und auch schon in der Praxis „erprobt“. Was jedoch die Fürsorge der eigenen psychischen Gesundheit betrifft fehlt bei vielen Führungskräften sogar ein Jahr seit dem Beginn der Pandemie und dem Beginn der veränderten Arbeitsbedingungen das entsprechende Bewusstsein, um nachhaltig gesund aus der Situation zu kommen.

Was für Vorkehrungen könnte man treffen in Bezug auf sich als UnternehmerIn, damit es zu keinen psychischen Belastungen (oder mehr) kommt.

und

Was kann man tun, wenn man sich als Führungskraft schlecht fühlt?

  • Bewusstsein entwickeln, dass auch Führungskräfte belastet sind. Auch für sie ist die Situation neu und sie sind natürlich sowohl als Führungskraft als auch persönlich von der Pandemie betroffen. Das ist menschlich und darf an passender auch selbstbewusst kommuniziert werden (z. B. in WIR-Botschaften „Wir sind aktuell durch die Pandemie stark belastet“).
  • Abschalten – klingt unrealistisch in besonders herausfordernden Zeiten, muss es aber nicht Auch keine Maßnahmen können eine große Wirkung erzielen, z. B. Zeiten setzen, in denen man bewusst nicht vor dem Laptop sitzt, sich ein paar Stunden pro Tag mit nicht-beruflichen Themen beschäftigt. Im Home Office tendieren wir außerdem noch mehr dazu, unsere Arbeitszeiten über Bord zu werfen, auch hier schafft eine klare Grenze, in der man nicht erreichbar ist (z. B. nach 18 Uhr), Erleichterung.
  • Unterstützung holen. Reden entlastet. Das kann ein offenes Ohr eines Freundes/einer Freundin sein oder professionelles Coaching/Beratung (zu persönlichen Themen oder auch Weiterbildungszwecken als Führungskraft).

Welche Vorkehrungen gehören in Bezug auf die MitarbeiterInnen getroffen?

  • Psychische Gesundheit zum Prio-Thema machen: Offene Gesprächskultur, Vorbildwirkung der Führungskräfte einsetzen, Erinnern an bestehende gesundheitsförderliche Maßnahmen im Unternehmen (gerade in Krisenzeiten denken MitarbeiterInnen nicht daran, welche Angebote es eigentlich bereits gibt), ermutigen zur Einhaltung von Erholungsphasen, Nachfragen bzgl. Workload und auch Belastungen, die durch Arbeitsumgebung entstehen (suboptimale Arbeitsplatzgestaltung, Vereinbarkeit mit Kinderbetreuung und Arbeit).
  • Soziale Kontakte pflegen: Das, was den meisten MitarbeiterInnen am stärksten fehlt während der Home Office Ära sind die sozialen Kontakte zu KollegInnen und Führungskraft (z. B. Morning-Coffee-Meeting)
  • Planungssicherheit: Wie wird es in Zukunft weitergehen? Bleiben alle im Home Office? Wird es hybride Lösungen geben? Allgemeine Empfehlung für hybride Modelle: 2 Tage Home Office pro

Wie sollte man umgehen, wenn man merkt, dass es einem/r MitarbeiterIn schlecht geht?

  • Ansprechen: Hier eignen sich regelmäßige, engmaschige Feedbackrunden besonders gut: Wie geht es den MitarbeiterInnen? Welche Belastungen liegen aktuell vor?
  • Hilfe ganz konkret anbieten: „Was brauchst du?“ statt „Sag Bescheid, wenn ich etwas für dich tun kann“. Internes Unterstützungsnetz für MitarbeiterInnen ausbauen (z. B. Instahelp) und regelmäßig dazu einladen.
  • Austausch unter den KollegInnen anregen. Reden entlastet. Das Teilen von Sorgen fällt vielleicht unter KollegInnen leichter als gegenüber der Führungskräften. Das Sprechen über gemeinsame Herausforderungen stärkt das Gemeinschaftsgefühl.

Mit welchen psychischen Langzeitschäden müssen wir durch Corona rechnen?

Depressive Symptomatik (Niedergeschlagenheit, „Affektabgeflachtheit“/Apathie, Antriebslosigkeit, Schlafprobleme, Appetitlosigkeit oder gesteigerter Appetit usw.) und die Angstsymptomatik (ganz unterschiedliche Ängste) haben während Corona massiv zugenommen. Das wurde bereits zu Beginn der Coronakrise erwartet und hat sich in länderübergreifenden Studien bestätigt. Was wir nicht erwartet haben ist, dass es so extreme Unterschiede zwischen verschiedenen Personengruppen gibt. Besonders betroffen sind Frauen (Mehrfachbelastungen, höhere Vulnerabilität für psychische Erkrankungen auf Grund struktureller Benachteiligungen) und jüngere Menschen, nämlich Jugendliche und junge Erwachsene. Hier braucht es spezifische Interventionen, um diese Gruppen zu unterstützen – präventiv, jetzt akut und auch in der Nachsorge. 

Wenn auch du dich weiter informieren möchtest, findest du hier nützliche Ratschläge sowie Hilfestellungen:

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