Funktioniert Online Business auch ohne Social Media?

Social Media scheint ein notwendiges Instrument für jedes Online-Business zu sein. Produkte werden über Instagram angeboten, glückliche KundInnen werden über Facebook präsentiert und kurzweilige Updates über Twitter gezwitschert. Es geht allerdings auch ohne. Wenn das Produkt auch ohne Werbung überzeugt und die Kundenbeziehung über den persönlichen Austausch gestärkt wird. All das mit dem Benefit, dass mehr Zeit für tatsächliches Unternehmertum bleibt.

Portrait Michaela Mayr | Gastautorin

Michaela Mayr | Gastautorin

Influencerin und Unternehmerin

22.2.2022

Michaela Mayr
© Pascal Lieleg

Mein Kaiserreich der 7.000

7.000 Menschen, ungefähr die Bevölkerung von Wien im 15. Jahrhundert, so viele Menschen folgen mir auf den sozialen Medien. 7.000 Menschen die ich 24/7 erreichen kann und als Influencerin, ganz getreu dem Namen, mit meinen Beiträgen beeinflussen kann. Das spät-mittelalterliche Wien also als Nährboden für mein Online-Business als diplomierte Ernährungstrainerin, Autorin und Food-Nomadin?

Nein, die ständige Präsenz auf Social Media ist äußerst zeitaufwendig und nicht nachhaltig. Ein Social Media Post gerät oft schon nach wenigen Stunden (!) in Vergessenheit.

Autokratie Social Media?

Soziale Netzwerke spielen nach ihren Spielregeln, denen ich als User schlichtweg ausgeliefert bin. Nutzungsbedingungen können sich unilateral ändern und ein Algorithmus entscheidet, welchen Content meine Zielgruppe konsumiert. Auch der „eigene“ Kanal kann über Nacht blockiert und dicht gemacht werden. So erging es mir beispielsweise auf Instagram mit michaelas.welt (rund 6.2k Follower). Damit ist mein jugendliches Wien wohl am ehesten mit einer fremdgesteuerten Autokratie zu verglichen.

Nicht nur das. Ich merkte auch, welche Auswirkungen soziale Medien auf meine mentale Gesundheit hatten. Ich war unkonzentriert und abgelenkt. Ich fing an mich zu vergleichen, wurde unzufriedener und entwickelte einen Geltungsdrang, den ich sonst nicht von mir kannte. Erst in meiner digitalen Detox-Phase begriff ich mehr und mehr, welchen massiven Einfluss jene Plattformen auf mein Wesen nahmen.

Gestorben also der Traum von einem Raum der Inspiration? Wiederrum nein! Gegentrend folgt Trend. Ganz nach dieser Logik wenden sich immer mehr User und eben auch Online-UnternehmerInnen von Facebook und Co ab. Inklusive mir.

Online Business ohne Social Media

Der Wille Leute zu inspirieren, meine Dienstleistungen gezielt anzubieten und das Online-Business nach vorne zu treiben, bleiben. Doch wie schafft man das auch ohne Social Media?

  1. In der Manier von Tesla will ich das Produkt für mich sprechen lassen. Tesla folgte niemals einfach nur einem Trend. Tesla will Vorreiter sein. Im Gegensatz zu anderen Autoherstellern, die viel Geld für Werbung ausgeben, steckt Tesla seine Dollar in Forschung und Entwicklung, Technik und Fertigung. Das Unternehmen konzentriert sich im Marketing auf das richtige "P": das Produkt.
  2. Die Bedürfnisse meiner Zielgruppe stehen an allererster Stelle und um mehr über die Needs meiner Kunden zu erfahren, braucht es einen regelmäßigen Austausch. Das funktioniert mit meinem Newsletter wunderbar und ich bin wahnsinnig dankbar für die lebhafte Community. So kann ich die Kundenansprache gezielt steuern. Statt Audience mit SPAM Mails oder bunten Newslettern zu „nerven“, kann ich das Vertrauen stärken und mit wertvollen Tipps auf diese eingehen.
  3. Ich spreche beim Gegentrend zu den sozialen Medien nicht von einem kompletten Boykott dieser. Ich spreche mich für einen achtsamen Umgang mit sozialen Medien aus, allein schon aus mentalen Gesichtspunkten. Auch die Quasi-Monopol-Stellung von Facebook, Instagram & WhatsApp gibt mir zu Bedenken und ich gebe den Rat, diese Abhängig auf mehrere Social-Media-Plattformen zu streuen. Nach wie vor setzte ich auf organisches Wachstum und versuche daher möglichst wenig / kein Geld für Werbeanzeigen zu schalten. Nichtsdestotrotz ist bezahlter Traffic auch eine gute Möglichkeit, die Reichweite zu steigern und das Business zu wachsen.
  4. Interaktionen, Live-Veranstaltungen & Co: Neben Google vergrößere ich meine Community, indem ich auf anderen Blogs erscheine - so wie in diesem Artikel hier. Auch durch meine Veranstaltungen vor Ort in Form von Koch-Workshops, Ernährungs-Trainings oder Live-Webinare wächst meine Zielgruppe weiter.

Fazit

Nach knapp drei Monaten als Selbstständige im Online-Business mit kaum Social-Media-Interaktionen erst einmal die wichtigste Nachricht: Ja, ich lebe noch. 

Ich bin aufmerksamer, unbefangener und gehe mit viel mehr Leichtigkeit ans Werk. Auch mein Online-Business hat durch die Detox-Phase nochmal einen zusätzlichen Push erfahren: Die Zahl der Newsletter-Abonnenten und Blog-Aufrufe schoss förmlich in die Höhe.

So zeigt sich in der fortschreitenden, digitalen Welt, dass man auch mit wenig / kaum Social Media überleben kann. Vorausgesetzt man legt den Fokus aufs Produkt und investiert seine Zeit sinnvoll in nachhaltige bzw. verschiedene Kanäle zum Beziehungsaufbau und Verkauf seiner Produkte/Dienstleistungen.

Klar. Soziale Medien haben ihre Vorteile und je nach Business, kann es genau das Richtige für jemanden sein. Für viele Online-Unternehmer:innen fühlt sich dieser Weg aber nicht immer stimmig an und das ist ok. In seinem Business bestimmt man selbst die Spielregeln und man kann individuelle Entscheidung treffen, die sich gefühlt gegen 99% aller Ratschläge zum Online-Marketing richten. Und man kann dabei trotzdem überleben.

Ich erreiche vielleicht nicht mehr das gesamte Wien des 15. Jahrhundert dafür aber die richtige Bevölkerung. 

Zur Gastautorin

Als Influencerin entwickelt Michaela Mayr gesunde Rezepte und schreibt ihre Erfahrungen als Food-Nomadin in ihrem Reisetagebuch „27 bites“ nieder. Als Unternehmerin und diplomierte Ernährungstrainerin referiert sie über eine gesunde Ernährung und lässt ihre Gedanken in ihrem Podcast sowie ihren Büchern freien Lauf.
www.michaelas.net

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