Wien – „Die jungen Selbstständigen sind mit hohen Erwartungen ins Jahr 2018 gegangen. Zwei Drittel glauben auch für das zweite Halbjahr an eine positive gesamtwirtschaftliche Entwicklung,“ fasst Amelie Groß, Bundesvorsitzende der Jungen Wirtschaft (JW), die grundsätzliche Stimmung der jungen Selbstständigen zusammen. Dennoch steigt die Investitionsbereitschaft zum ersten Mal seit 2015 nicht an und die Bereitschaft, Mitarbeiter einzustellen sowie die erwartete Unterstützung durch die Banken sinkt. All das zeigt: Es gibt ein Abflachen des Optimismus. „Wichtig ist es, jetzt entgegenzuhalten und besonders im Finanzierungsbereich neue Möglichkeiten zu schaffen, damit die jungen Selbstständigen ihre Potentiale voll ausschöpfen können“, erklärt Amelie Groß.

Rückläufige Zahlen bei geplanten Neuanstellungen und Investitionen

Die Prognose des Abflachens der Konjunktur durch das WIFO, bestätigt sich auch in der Befragung von knapp 1400 Jungen Unternehmerinnen und Unternehmern im Juni 2018. Um 8% ging die Zahl jener, die im Jänner noch planten ihre Investitionen zu erhöhen, zurück. Außerdem schließen 49% (+13%) kategorisch aus, neue Mitarbeiter einzustellen. Auch die erwartete Unterstützung durch die Banken ist zurückgegangen (-7%).

Anhaltende Unsicherheit bei korrektem Umgang mit Daten

Neben den wirtschaftlichen Erwartungen befragte die Junge Wirtschaft die Unternehmen im Juni zum Umgang mit der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) und dem Thema Daten im Allgemeinen. Nur 46% der 1400 befragten Unternehmen fühlten sich ausreichend vorbereitet. Neben Selbstlektüre, war die Inanspruchnahme von Services der Wirtschaftskammer für 39% der Befragten die zweithäufigste Informationsquelle zum Umgang mit der neuen Verordnung. „Die hohe Nachfrage ist jedoch mit Sicherheit noch nicht vorüber. Auch jene Hälfte der Unternehmer, die sich noch nicht ausreichend vorbereitet fühlt, muss noch erreicht werden,“ so Groß.

Hoher zeitlicher Aufwand und veränderte Arbeitsweise

Ein Drittel der Befragten gaben an, die Arbeitsweise ihres Unternehmens aufgrund der DSGVO verändert zu haben. Deutlich fiel die Meinung zum zeitlichen Aufwand für die Anpassung an die Verordnung aus: 65% gaben an, dieser sei hoch oder sehr hoch gewesen. Der finanzielle Aufwand fällt im Vergleich geringer aus. Nur 28% schätzen diesen als hoch (21%) oder sehr hoch (7%) ein.

Fehlende Auseinandersetzung mit Zukunftsthemen

Nur circa ein Sechstel (17%) der Unternehmen plant zukünftig Daten verstärkt als Grundlage für unternehmerische Entscheidungen zu nutzen. Auch plant die Mehrheit (54%) keine weiteren Investitionen in eine verstärkte Datennutzung. Dies, obwohl datengetriebene Ökonomie unseren Arbeitsalltag in absehbarer Zeit derart beeinflussen wird, dass jedes Unternehmen in jeder Branche, davon betroffen sein wird.

Zukunftsdebatte dringend gebraucht

Man müsse sich die Frage stellen, welche Berufe Gefahr laufen, zukünftig obsolet zu werden und beispielsweise durch 3D-Druck oder Elektromobilität komplett zu verschwinden. „Dabei geht es nicht nur darum, Menschen neue Skills für alte Jobs zu vermitteln – es geht darum, eine Debatte zur Zukunft der Arbeit anzustoßen, die alle Unternehmer und Unternehmerinnen miteinschließt,“ ist Groß überzeugt. „Wir müssen Bildung in Bereichen forcieren, die den Anforderungen der Zukunft entsprechen“, setzt sich Amelie Groß ein. Mitarbeitern müssen Chancen auf berufliche Neuorientierungen eröffnet werden, zum Beispiel sollte die Lehre nach der Matura deutlich attraktiver werden.

Chancen der datengetrieben Ökonomie müssen für alle sichtbar gemacht werden

„Wir wollen, dass unsere jungen Selbstständigen – egal ob Start-Up oder mittelständischer Betrieb - die Digitalisierung nicht nur meistern, sondern als Innovationsmotoren aktiv mitgestalten,“ verweist die Bundesvorsitzende auf den Tatendrang junger Unternehmerinnen und Unternehmer und fordert ein klares Konzept für den digitalisierten und wettbewerbsfähigen Standort in den Bereichen Bildung, Abbau von Bürokratie- und Steuerbelastungen und für Investitionen in Innovation. „Es ist wichtig sicherzustellen, dass den Unternehmen nicht wertvolle zeitliche und finanzielle Ressourcen entzogen werden, die sie für die Weiterentwicklung ihres Geschäftsmodells in Zeiten der Digitalisierung benötigen,“ zeigt sich Groß überzeugt.

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