Ein Kleinunternehmer ist unecht von der Umsatzsteuer befreit. In diesem Fall unterliegen die Umsätze nicht der Umsatzsteuer; Vorsteuern können jedoch nicht geltend gemacht werden. Die Rechnungen sind daher netto, ohne Ausweis einer Umsatzsteuer und unter Hinweis auf die Steuerbefreiung auszustellen. Eine Option zur Steuerpflicht ist aber möglich. Seit Beginn des Jahres kann diese Vereinfachungsregelung von einer größeren Gruppe von Unternehmern in Anspruch genommen werden.

 

Wer ist Kleinunternehmer?

Es handelt sich um Unternehmer, die ihr Unternehmen im Inland betreiben und deren Umsätze im Veranlagungszeitraum € 30.000 nicht übersteigen. Umsätze aus Hilfsgeschäften einschließlich der Geschäftsveräußerung bleiben dabei außer Ansatz. Ausländische Unternehmer sind von der Anwendung der Kleinunternehmerregelung ausgeschlossen. (Seit diesem Jahr gilt dies auch für ausländische Unternehmer, die einen Zweitwohnsitz in Österreich haben!) Bei der Umsatzgrenze handelt es sich um eine Nettogrenze; bei der Ermittlung ist daher zunächst von der Besteuerung der Leistungen unter Außerachtlassung der Kleinunternehmerbefreiung auszugehen und die in den Einnahmen diesfalls enthaltene Umsatzsteuer herauszurechnen. Das einmalige Überschreiten der Umsatzgrenze um nicht mehr als 15 % innerhalb eines Zeitraums von fünf Kalenderjahren ist unbeachtlich (Toleranzregelung).

 

Was hat sich geändert?

Seit 1.1.2017 müssen bestimmte steuerbefreite Umsätze bei der Berechnung der Umsatzgrenze von

€ 30.000 nicht mehr miteinbezogen werden. Unecht befreite Umsätze von Aufsichtsräten, Blinden, privaten Schulen und anderen allgemein bildenden oder berufsbildenden Einrichtungen, Privatlehrern, Bausparkassen- oder Versicherungsvertretern, bestimmten gemeinnützigen Vereinigungen, Pflege- und Tagesmüttern, Krankenanstalten, Ärzten, Psychotherapeuten, Heilmasseuren, Zahnärzten oder Zahntechnikern sowie bestimmte Umsätze von Bund, Ländern und Gemeinden, sind zum Beispiel bei der Berechnung nicht mehr zu berücksichtigen.

 

Beispiel: Ein Arzt erzielt im Jahr steuerbefreite Umsätze aus Heilbehandlung in Höhe von € 120.000. Daneben vermietet er eine kleine Wohnung und erzielt damit einen jährlichen Umsatz von € 6.000. Bisher war für die Vermietung die Anwendung der Kleinunternehmerregelung aufgrund des Überschreitens der Umsatzgrenze nicht möglich. Seit Beginn des Jahres sind die steuerbefreiten Umsätze aus der Tätigkeit als Arzt bei der Berechnung der Umsatzgrenze nicht mehr miteinzubeziehen. Im Bereich der Vermietung kann der Arzt daher die Kleinunternehmerregelung künftig anwenden.

 

Wann muss auch ein Kleinunternehmer Umsatzsteuer zahlen?

Bei einem Kleinunternehmer kommt es in folgenden Fällen zu einer Steuerpflicht, bei der die Umsatzsteuer zu melden und zu entrichten ist:

  • Einfuhrumsatzsteuer für Waren, die in das Gemeinschaftsgebiet eingeführt werden;
  • Erwerbsteuer, wenn die Erwerbsschwelle überschritten oder auf die Anwendung dieser verzichtet wurde;
  • Umsatzsteuer, die iSd § 11 Abs 12 und 14 UStG kraft Rechnungslegung geschuldet wird;
  • Umsatzsteuer, die iSd § 12 Abs 10 bis 12 UStG aufgrund einer Änderung der Verhältnisse geschuldet wird;
  • Umsatzsteuer, die iSd § 16 UStG aufgrund einer Änderung der Bemessungsgrundlage geschuldet wird;
  • Umsatzsteuerschuld, die iSd § 19 Abs 1 Satz 2, Abs 1a, 1b, 1c, 1d und 1e UStG auf den Kleinunternehmer als Leistungsempfänger übergangen ist.

Muss der Kleinunternehmer eine Umsatzsteuererklärung abgeben?

Kleinunternehmer, deren Umsätze im Veranlagungszeitraum € 30.000 nicht übersteigen und die für den Veranlagungszeitraum keine Steuer zu entrichten haben, sind von der Verpflichtung zur Abgabe einer Umsatzsteuererklärung befreit. Hat der Kleinunternehmer jedoch eine Steuer zu entrichten (zB durch Vorleistungen, bei denen die Steuerschuld auf ihn übergeht), wendet er die Toleranzregelung an oder kommt es zu abzugsfähigen Vorsteuern, ist die Abgabe einer Jahreserklärung notwendig und es kommt zu einer Veranlagung. Hat der Umsatz im vorangegangenen Kalender die Grenze von € 30.000 überschritten und kommt es in einem Voranmeldungszeitraum zu einer Vorauszahlung oder einem Überschuss, ist für den betreffenden Zeitraum auch eine Voranmeldung abzugeben.

 

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