Die Junge Wirtschaft Niederösterreich begrüßt den Reformwillen der Regierung

Aus einigen medialen Äußerungen war zu entnehmen, dass die Gewerbeordnung in ihrer derzeitigen Form novelliert werden soll. In vielen Bereichen besteht Reformbedarf, wie etwa im Betriebsanlagengenehmigungsverfahren. Dieses ist oftmals eine bürokratische Hürde und mit hohen Kosten für den antragstellenden Betrieb verbunden. Die Dauer der Genehmigungsverfahren ist zu hinterfragen.  Diese Probleme hemmen einerseits den Gründerwillen und kosten langfristig Wirtschaftswachstum.

Beunruhigend empfinden wir die Äußerungen weitere Gewerbe frei zu geben. Und das aus gutem Grund. Es gibt nicht viele Bereiche von denen Österreich behaupten kann, absolute Weltspitzenpositionen einzunehmen. Im Bereich unseres dualen Ausbildungssystems kann dies allerdings behauptet werden. Die Lehrlingsausbildung ist zeitgemäß und äußerst effizient. Wissen wird geblockt intensiv vermittelt und durch die vergleichsweise lange Lehrzeit ein hohes Qualitätsbewusstsein transportiert. Gerade die Kombination aus Wissen und Qualität führt dazu, dass unsere Meisterbetriebe maßgebliche Eckpfeiler der heimischen Wirtschaft sind.

 

Die Junge Wirtschaft ist überzeugt, dass durch die Freigabe von reglementierten Gewerben zwei Effekte eintreten würden:

 
  1. Die Lehrlingsausbildung würde weiter zurück gehen. Warum soll sich ein junger Mensch eine Ausbildung antun, wenn er doch gleich probieren kann, seine Leistungen am freien Markt anzubieten? Es ist unverantwortlich junge Menschen ohne Vorbereitung in die Selbstständigkeit zu locken. Unser Rechtsstaat ist zu komplex um nach „trial and error“ vorzugehen. Wäre unser derzeitiges Bildungssystem anders aufgebaut (Vermittlung von Grundkenntnissen des Rechnungswesens, Steuer- und Sozialversicherungsrecht, Umgang mit Geld etc.) sehe die Situation vielleicht anders aus.

  2. Langfristig würde Fertigungswissen verloren gehen. Die Unternehmer würden sich aus ökonomischen Gründen nur noch auf jenen Bereich konzentrieren, der für ihre berufliche Entwicklung entscheidend ist. Das Problem ist allerdings, dass man diese Entscheidung nicht im Vorfeld treffen kann. Die Erfahrung eines Meisters ist nicht unter zu bewerten.

Die Junge Wirtschaft Niederösterreich fordert daher ein klares Bekenntnis zu reglementierten Gewerben.


Eine kritische Anmerkung möchten wir im Bereich der reglementierten Gewerbe dennoch platzieren. Die Meisterprüfungen sollten auf ihre inhaltliche Aktualität evaluiert werden und es sollte ähnlich einer Zentralmatura ein österreichischer Standard geschaffen werden. Die Kritik, dass Prüfungen in manchen Bundesländern härter sind, als in anderen, ist nachvollziehbar.